Grußwort
zur BGJ-Fachtagung am 05.03.2008 in Frankfurt
Bernd Schreier (IQ)

Auszug aus dem Redemanuskript:
"[...] Ich begrüße besonders herzlich die Teilnehmer aus den vielen Beruflichen Schulen. Schulqualität wird nur in den Schulen hergestellt; dies tun diejenigen, die an den Schulen arbeiten. Sie zu unterstützen, sie zu gewinnen und zu stärken ist die Aufgabe aller anderen Institutionen, die im Bildungsbereich arbeiten. [
]
[
] die Gestaltung der Übergänge von der Schule in den Beruf spielt eine außerordentlich große Rolle, denn dahinter verbergen sich Lebensschicksale, Hoffnungen und Enttäuschungen, menschliche Verzweiflung usw. Es sind keine statistischen und keine technokratischen Fragen, wenn junge Menschen entgegen der ursprünglichen Zielsetzung in Warteschleifen der Sinnlosigkeit und der Entmutigung geraten. [
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Es geht auch um den beruflichen Nutzen von Bildung, oft verkürzt und falsch als Beziehung von Bildung und ihrer ökonomischen Verwertbarkeit gefasst [
]. Es geht immer um Verantwortlichkeiten von Institutionen und den Personen dahinter, es geht um das Zusammenwirken von Wirtschaft und Schulen, den Agenturen für Arbeit, Jugendhilfeeinrichtungen, Kammern. Wir dürfen nicht wegschauen, wenn immer wieder festgestellt wird, dass Jugendliche mit Hauptschulabschluss nur noch geringe Chancen haben, den Übergang in die Berufausbildung zu schaffen. [
]
Warum die Fachtagung? Was ist ihr Zweck? Was ist ihr Ziel?
Erst einmal geht es um Transparenz und eine Kultur der Datengewinnung, um das Ins-Auge-sehen dessen, was wirklich passiert. Ich habe mich sehr darüber gefreut und mir hat es viel Zukunftssicherheit für das Land gegeben, dass eine Fachabteilung im Ministerium das IQ gebeten hat, zu evaluieren, wie seine Regelungsantwort auf die angerissene Problematik wirkt. Im Mittelpunkt dieser Tagung stehen daher Daten, die Ergebnisse der Evaluation des Berufsgrundbildungsjahres (BGJ), die von der TU-Darmstadt zusammen mit dem IQ durchgeführt wurde. [
]
Ich will der Diskussion nicht vorgreifen, aber ich habe den Eindruck, dass neue Strukturen und innovative Ansätze und kluge Ansätze in den aufgeworfenen Fragen vor Ort gefunden werden müssen, um die vorhandenen Potenziale tatsächlich zu nutzen. Ich sehe die klare Zielrichtung der Tagung: den Menschen gerecht zu werden, die sich in einer Konstruktion wie dem BGJ befinden, damit ihre Lebens- und Berufschancen wachsen und sie gut ausgebildete Facharbeiter und fähige Praktiker werden, die anspruchsvollen Anforderungen gewachsen sind - und die Anforderungen werden tatsächlich immer anspruchsvoller, so mein Eindruck von außen. [
] Eigenständigkeit und Flexibilität müssen gestärkt werden [
] Nicht vergessen werden darf aber auch die andere Seite: Es gilt, das Angebot an Ausbildungsplätzen zu erhöhen mit dem Ziel, die Chancen beim Übergang von der Schule in die Ausbildung zu verbessern.
Ich habe in diesem Zusammenhang auch den Eindruck, dass es vielleicht erforderlich ist, auch im Rahmen der Tagung zu erörtern, ob nicht im nächsten Schritt das gesamte Übergangssystem in den Blick zu nehmen ist. Damit kein Leerlauf entsteht und der ehrliche Umgang mit den Menschen der nachwachsenden Generation und ihrer Perspektive Wirklichkeit wird. [
] Ich bin sicher, dass als Antworten mehrere Ansätze denkbar sind. Aber ich glaube auch, dass sie nur erfolgreich sein werden, wenn die Eigenverantwortung der einzelnen Schulen ernst genommen wird und wenn diese ermutigt und gestärkt und nicht versehentlich geschwächt werden.
Das IQ ist bereit, den weiteren Prozess im Rahmen seiner Verantwortung und seiner Möglichkeiten zu unterstützen, auch andere Handlungsoptionen zu entwerfen und, wenn nötig, als Motor zu wirken und neue Entwicklungen voranzutreiben. [
] Ich wünsche Ihnen eine intensive, fachlich fundierte Auseinandersetzung, Nutzung von Praxiserfahrungen, das Herausstellen möglicher Lösungsansätze [
]. Sie sollen Anregungen zur Weiterarbeit erhalten, denn es gilt, neue Perspektiven bei der Bearbeitung der drängenden Probleme im Übergang von der allgemeinbildenden Schule ins Berufsleben zu entwickeln und Lösungen voranzutreiben.
In diesem Sinne wünsche ich gutes Gelingen und bedanke mich für ihre Aufmerksamkeit."
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Begrüßung
Staatssekretär Joachim Jacobi (HKM)

Download: Grußwort Staatssekretär
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Eingangsreferat: "Das Modellprojekt Blickpunkt BGJ"
Prof. Dr. Dieter Münk

Nach einer kurzen humorvollen Klärung der Begriffe Übergang und Übergangssystem stellte Prof. Dr. Münk die Ergebnisse der BGJ-Evaluation vor. Der unmittelbare Wechsel von den allgemeinbildenden Schulen zur Berufsausbildung gelinge nur selten. Mit Angeboten aus Vollzeitschulformen könne auf diese Entwicklung nur unzureichend reagiert werden. Lediglich in den Berufsfeldern Holztechnik und Textiltechnik und Bekleidung gebe es im BGK nennenswerte Übernahmezahlen in das zweite Ausbildungsjahr. In Anlehnung an Wilhelm Buschs Max und Moritz warf Münk die Frage auf, ob das BGJ auf dem Holzweg sei, und erörterte die relativ guten Erfolge im Berufsfeld Holztechnik. Zusammenfassend stellte er die Auswirkungen der neuen Verordnung und Schlussfolgerungen daraus vor. Zur Entwicklung einer dauerhaften Lösung, so sein Fazit, müsse das Übergangssystem insgesamt in den Blick genommen werden.
Download: Eingangsreferat Prof. Münk
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Expertenrunde
mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Gewerkschaft
Moderation: Dipl. Politologe Jörg Feuk (TU Darmstadt)

Die Mitglieder der von Jörg Feuk moderierten Expertenrunde stellten die Situation des Übergangssystems aus ihrer Sicht dar, nannten Ursachen für die Entwicklung und stellten Alternativen zur Diskussion.
An der Expertenrunde nahmen teil:
Prof. Dr. Martin Bathge (Universität Göttingen)
Joachim Jakobi (Staatssekretär, HKM)
Frank Ziemer (IHK Frankfurt)
Jörg Feuck (Pressesprecher TU Darmstadt) als Moderator
Monika Wenzel (HMWVL)
Herr Linke (GEW)
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Forum 1: Gestaltung des Übergangssystems
Prof. Dr. Martin Baethge (Universität Göttingen)
Hans Jörg Gudenau (MinR a. D.)
Ein reibungsloser Übergang von der allgemeinbildenden Schule in eine duale Ausbildung gelingt immer weniger Jugendlichen. Viele durchlaufen Schulformen und Maßnahmen, die Defizite abbauen und zur Ausbildungsreife führen sollen. Doch der Erfolg ist oft unbefriedigend. In Forum 1 wurde über die Frage diskutiert, wie ein erfolgreicher Übergang gestaltet sein muss.
Hans Jörg Gudenau leitete die Arbeit mit einer Übersicht über das Übergangssystem ein. Er bezog alle Bildungsgänge vom Berufsvorbereitungsjahr bis zur zweijährigen Fachoberschule in seine Betrachtungen ein und zeigte an ausgewählten BBiG-Berufen, dass verstärkt Selektionsprozesse stattfinden: Die Chancen der Schülerinnen und Schüler, einen Ausbildungsplatz zu finden, hängen maßgeblich von ihrem schulischem Vorbildungsniveau ab. Außerdem thematisierte er die Akzeptanz von schulischen Ausbildungsgängen aufseiten der Wirtschaft. Diese Akzeptanz ist in den verschiedenen Bundesländern, z. B. in Niedersachsen oder Baden-Würtemberg, sehr unterschiedlich.

Professor Baethge betrachtete die Entwicklung des Berufsbildungssystems in den letzten Jahren. Die duale Berufsausbildung verliere immer mehr Anteile nach oben (zum Hochschulstudium) und nach unten (zum Übergangssystem). Gründe für die starke Ausweitung des Übergangssystems lägen im allgemeinbildenden Schulbereich, in steigenden Qualitätsanforderungen der Wirtschaft und im lang andauernden Marktungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage nach Ausbildung. Ausländische Jugendliche seien im vollqualifizierenden Berufsbildungssystem deutlich unter-, im Übergangssystem hingegen stark überrepräsentiert. Lösungen der Probleme erforderten eine Reorganisation der Sekundarstufe I und einen Ausbau von Ganztagsschulen. Die Anrechenbarkeit von berufsvorbereitenden Leistungen des Übergangssystems sei nur bei einer nach Bausteinen gegliederten Ausbildung möglich.
Nach einer lebhaft geführten Diskussion fasste Herr Gudenau die Ergebnisse zusammen:
- Die Sekundarstufe I muss anders gestaltet werden.
- Die berufsvorbereitenden Bildungsgänge des Übergangssystems müssen zur Stabilisierung der Jugendlichen weiter angeboten werden.
- Das BGJ muss wieder in Richtung Berufsfachschule anschlussfähig werden.
- Die Abschlussprüfung des BGJ ist problematisch.
- Vollqualifizierende schulische Bildungsgänge sind erforderlich.
Download: Vortrag Prof. Baethge
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Forum 2
Netzwerkbildung im Übergangssystem
Dr. Ursula Bylinski (BiBB)
Monika von Brasch (OloV)
Prof. Dr. Josef Rützel (TU Darmstadt)
Jugendliche im Übergangssystem stehen im Kontakt mit vielen beratenden Institutionen. Schule, Arbeitsagenturen, private und staatliche oder staatlich unterstützte Organisationen helfen den Jugendlichen, den Übergang von allgemeinbildender Schule in eine Berufsausbildung zu schaffen. In dem Forum wurde über die Frage diskutiert, wie man diese nebeneinander stehenden Fördermaßnahmen zu einem wirkungsvollen
Netzwerk kann.

Prof. Dr. Rützel begründete zunächst die Notwendigkeit von Netzwerken. Er stellte Netzwerktypen und -formen vor, erläuterte deren Leistungspotenziale und zeigte die Komplexität von Netzwerkebenen auf. Abschließend wies er auf Risiken und Grenzen von Netzwerken hin.
Dr. Ursula Bylinski stellte das BQF-Programm vor (Berufliche Qualifizierung für Zielgruppen mit besonderem Förderbedarf). Dabei handele es sich um ein Projekt mit der Zielsetzung, "die berufliche Förderung von benachteiligten jungen Menschen am Übergang Schule-Beruf strukturell und qualitativ-inhaltlich weiter zu entwickeln." Sie berichtete über die in dem Projekt gewonnenen Erfahrungen und Erkenntnisse. Vor diesem Hintergrund gab sie Empfehlungen zur Netzwerkbildung unter Einbeziehung von Schule bzw. zur Einbindung von Schule in bestehende Netzwerke. Am Ende ihrer Ausführungen wies sie auf Erfolgsfaktoren und Probleme hin.
Monika von Brasch (Inbas GmbH) stellte unter dem Titel "Die Qualitätsstandads des Projektes OloV" das Projekt vor. Hier haben sich erstmals Partner eines Ausbildungspakts in einem Bundesland auf die Erarbeitung von Qualitätsstandards verständigt.
Download: Ausführungen Bylinski
Download: Ausführungen Brasch
Download: Ausführungen Rützel
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Forum 3
Individuelle Förderung von Kompetenzen
Prof. Dr. H.-Hugo Kremer (Universität Paderborn)
Andrea Zoyke (Universität Paderborn)
Claudia Galetzka (IQ)
Mangelnde Ausbildungsreife ist ein häufiger Vorwurf an junge Menschen, die sich um einen Ausbildungsplatz bewerben. Daher wird zunehmend die Notwendigkeit gesehen, Maßnahmen zur individuellen Förderung zu ergreifen. In dem Forum wurde über die Frage diskutiert, welche curricularen und didaktisch-methodischen Optionen es hier gibt.

Download: Ausführungen Kremer/Zoyke
Download: Individueller Förder- und Entwicklungsplan (Kremer/Zoyke)
Download: Ausführungen Galetzka
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Forum 4
Modularisierung
Christa Oberth (f-bb)
Christian Schmidt (TU Darmstadt)
Das Übergangssystem führt in der Regel zu keinem qualifizierten Abschluss. Nicht nur von den Schülern wird es als lästige Warteschleife wahrgenommen. Darüber hinaus ist es durch eine hohe Abbruchquote gekennzeichnet. In dem Forum würde über die Fragen diskutiert, was eine Modularisierung leisten kann und ob Teilqualifikationen die Akzeptanz bei Schülern und Ausbildungsbetrieben erhöhen.

Download: Ausführungen Schmidt
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Forum 5
Von anderen lernen
Flexibilisierungspotenziale durch Europa
Prof. Dr. Thomas Deißinger (Universität Konstanz)
Prof. Dr. Dieter Münk (TU Darmstadt)
Im dualen System wurde der europäische Integrationsprozess lange Zeit vor allem als Bedrohung empfunden. Die Reformzwänge, die sich aus dem Europäisierungsprozess ergeben, können aber auch eine Chance darstellen. In dem Forum wurde der Frage nachgegangen, auf welche Weise die neueren europäischen Initiativen für die Probleme im Übergangssystem fruchtbar gemacht werden können.

Download: Ausführungen Deißinger
Download: Ausführungen Münk
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Veranstaltungsresümee
Prof. Dr. Josef Rützel (TU Darmstadt)
Zum Ende der Veranstaltung fasste Prof. Dr. Rützel die Tagungsergebnisse unter der Überschrift "Zuspitzungen" zusammen.

Download: Resümee Rützel